Berlin, August 2025 – Ein neues Kapitel für eine Neuköllner Ikone: Das stillgelegte ehemalige Quelle-Kaufhaus in der Karl-Marx-Straße in Berlin wird derzeit einer umfassenden Umnutzung unterzogen und unter der Leitung der Manifesto Group – dem Team hinter dem Manifesto Market in Prag und Berlin, der Himitsu Japanese Speakeasy und der Soot Bar – neugestaltet. Die goldenen Jahre des Warenhauses, geprägt von der Konsumkultur der Nachkriegszeit, liefern den Ausgangspunkt für ein Design, das Retro-Elemente mit zeitgemäßem Feingefühl verbindet. Mit Vintage-Möbeln aus Tschechien und Deutschland, Mid-Century-Details und kulturell vielschichtiger Raumplanung ehrt die Kalle Halle das Erbe des Gebäudes und schafft zugleich einen dynamischen neuen kulturellen Anker für Neukölln – ein wachsendes, lebendiges Berliner Viertel.
Das Konzept wurde in Zusammenarbeit mit Chybik+Kristof unter der kreativen Leitung von Sara Gomes entwickelt – Lead Architect und Team Lead bei Martin Barrys Hospitality-Gruppe. Gomes, bekannt für ihre preisgekrönte Gestaltung des Manifesto Markets sowie der Himitsu Japanese Speakeasy und der Soot Bar am Potsdamer Platz in Berlin, arbeitete auch eng mit Chybik+Kristof für das Design des Manifesto Markets in Prag zusammen. In der Kalle Halle leitete sie die Transformation des 2.300m² großen ehemaligen Warenhauses in ein facettenreiches, retro-inspiriertes räumliches Food-Market-Erlebnis. Aufbauend auf den Grundsätzen der Stadtgestaltung und Nachbarschaftsplanung, übersetzte das Team dabei Elemente des Städtebaus in den Innenraum: schmale Gassen, offene Plätze und ein zentraler, üppig begrünter Innenpark erzeugen das Gefühl eines begehbaren Kiezes – ein Ort der Entdeckung und des Verweilens. Jede Zone erzählt ihre eigene Geschichte und lädt sowohl zu spontanen Begegnungen als auch zu bewussten Aufenthalten ein – ein Mikrokosmos urbanen Lebens unter einem Dach.
„Es war uns wichtig, einen Ort zu schaffen, der unseren Wurzeln treu bleibt – als städtische Intervention, als Zentrum für Gemeinschaft und als etwas Zeitgenössisches, das dennoch natürlich und einladend wirkt. Dieses massive Betongerüst hätte auf Besuchende leicht kalt und abweisend wirken können, daher mussten wir die Wucht und die Schönheit der Betonstruktur mit lichtdurchfluteten Atrien, Teppichen und Stilmöbeln ausgleichen“, erklärt Martin Barry.
Materialität und Geschichte im Dialog
Roh, retro, cozy: Die gestalterische Sprache der Kalle Halle ist geprägt von einem bewussten Umgang mit dem Bestand. Sichtbeton, transluzente Amber-Polycarbonatplatten und unbearbeitete Oberflächen formen eine minimalistische Grundarchitektur, die Raum für gezielte Interventionen lässt – wie handgemalte Signaletik des tschechischen Grafikdesigners Daniel Pavelky und eigens illustrierte Tapeten der Grafikdesignerin Nicoleta Puiu, ebenfalls Teil des Manifesto-Gruppe-Teams. Diese Elemente feiern den wilden, kreativen Geist Neuköllns.
In Zusammenarbeit mit dem mexikanischen Lichtdesigner Kai Deidrichson von Luz en Arquitectura, mit dem Martin Barry bereits Projekte in Mexiko realisierte, wurde ein Beleuchtungskonzept entwickelt, das die Räume je nach Tageszeit und Nutzung reinterpretiert: von warmen Lichtinseln in Lounge- und Ruhebereichen bis hin zu klar definierten Arbeitszonen für Gastronomie und Bar. Auch das Farbschema spiegelt diesen Ansatz wider: Eine zurückhaltende Grundpalette aus neutralen Tönen wird spielerisch durch kräftige Akzente in Rot und Orange kontrastiert – eine Hommage an die flamboyanten 1970er Jahre.
Adaptives Re-Use: Palastmöbel finden neues Zuhause
Einen besonderen Stellenwert nimmt die Möblierung der Kalle Halle ein. Statt auf anonymes Contemporary Design zu setzen, hat das Team bewusst Mid-Century- und Retrostücke mit Charakter und Geschichte ausgewählt. Vornehmlich aus Tschechien, ergänzt um Stücke aus Deutschland, Ungarn und den Niederlanden, stammen die Möbel unter anderem von ikonischen tschechischen Designern wie Ludvík Volák und František Jirák sowie renommierten Herstellern wie TON, Interier Praha, Tatra Pravenec, Dřevopodnik Holešov und Jitona Soběslav. Sogar aus einem Schloss konnten einige Raritäten gerettet werden. Diese Möbel, oft gefertigt aus Massivholz, Leder, Marmor oder Metall, schaffen ein wohliges Gefühl von Zuhause. Und doch sind sie mehr als nostalgische Artefakte – sie transportieren das handwerkliche Erbe der Nachkriegsjahrzehnte in die Gegenwart und schlagen eine Brücke zur Geschichte des Gebäudes als ehemaliger Konsumtempel für Generationen von Berliner:innen.
„In einer Stadt wie Berlin, wo Schicht auf Schicht Geschichte trifft und sich ständig neu erfindet, passt dieser Mix aus Alt und Neu einfach perfekt“, so Sara Gomes. „Es ist unsere Art, lokale Erinnerungen zu verankern und zugleich einen Raum für zeitgenössische Begegnungen zu schaffen.“
Offenheit und Wandelbarkeit als Leitmotiv
Schließlich ist ein prägendes Merkmal der Kalle Halle ihre funktionale und soziale Flexibilität. Die Architektur verzichtet bewusst auf starre Barrieren oder festgelegte Nutzungen und eröffnet stattdessen wandelbare Flächen, die vom morgendlichen Kaffee über After-Work-Drinks bis zu DJ-Sets und Kunstausstellungen vielfältig bespielt werden können. Auch temporäre Installationen und Kooperationen mit lokalen Künstlern sind Teil des Konzepts und sorgen dafür, dass sich der Ort mit seinem Umfeld kontinuierlich weiterentwickelt.
Die Kalle Halle versteht sich – architektonisch wie kulturell – als Plattform für die Nachbarschaft, die vielleicht auch für Außenstehende ein Anziehungspunkt wird. Ein Ort, an dem Gastronomie, Design und Community in einem sorgfältig austarierten Gleichgewicht zusammenkommen und dabei den Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Lokalem und Internationalem immer wieder neu entfacht.